Automationsvorhaben im Gesundheitsamt des Kreises Steinfurt

InformationsSystemGesundheitsAmt ISGA der Fa. Computer Zentrum Binder & Karl in Strausberg

Ein Verfahren aus den neuen Bundesländern, mit dem 48 Arbeitsplätze im Gesundheitsamt erfolgreich vernetzt wurden.

Seit März 2001 wird das Informationssystem Gesundheitsamt (ISGA) beim Kreis Steinfurt eingesetzt.


Modernes Gesundheitsamt

Der öffentliche Gesundheitsdienst steht vor der Notwendigkeit, einen Strukturwandel vorzunehmen. Medizinische als auch gesellschaftliche Faktoren machen eine Neuorganisation und inhaltliche Neugestaltung von Gesundheitsämtern unabdingbar.

Der Notwendigkeit folgend ist Anfang des Jahres 1999 das Gesundheitsamt des Kreises neu organisiert worden. Ziel der Neuorganisation war es, ein "modernes Gesundheitsamt" aufzubauen, das effizient und transparent gestaltet ist und den Anforderungen an den öffentlichen Gesundheitsdienst der Zukunft gewachsen ist.

Die Neuorganisation stellte nicht nur auf die Aufgabenveränderungen aus dem neuen Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst ab, sondern in gleichem Maße auf Optimierung der Arbeitsabläufe, Vereinfachung des Geschäftsganges, gleichmäßige Arbeitsauslastung, Technikeinsatz (IT) und stärkere dezentrale Verantwortung im Rahmen des Neuen Steuerungsmodells.


Technikeinsatz

Das Gesundheitsamt war eines der Ämter, das seit Jahren IT-Unterstützung nachfragte, in dem jedoch, sieht man von der Textverarbeitung ab, noch immer recht wenige Arbeiten mit Hilfe der Datenverarbeitung erledigt werden konnten.

Mit der Neuorganisation wurden grundlegende Vorleistungen für die notwendige Koordination, Automation und Vereinheitlichung der Arbeitsabläufe aller Dienststellen des Kreises erbracht.

Dieses sind die fünf Dienststellen in Emsdetten, Ibbenbüren, Lengerich, Rheine und Steinfurt.

Die bislang in vielen Nachweisungen, Karteien und Listen geführten Daten sollten in zentrale -Datenbanken überführbar und so angelegt werden, dass sie zukünftigen Organisationszielen entsprechen.

Der Technikeinsatz im Gesundheitsamt sollte die Automation der Arbeitsabläufe insbes. in den Bereichen

    • Amtsärztlicher Dienst (und hier insbes. Terminverwaltung, Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz, Labordatenerfassung, Sollstellung Gebühren),
    • Meldepflichtige Krankheiten,
    • Schulärztlicher Dienst und
    • Verwaltung (und hier insbes. Zentralkartei, Medizinalkartei, Auswertungen und Statistiken)

erfassen und damit den Vorschlägen und Modellen aus der Organisation suntersuchung folgen.


Verfahrensauswahl

Bis zum Auswahlzeitpunkt gab der Software-Markt für die Aufgabenstellung im Gesundheitsamt im Grunde nicht mehr als drei IT-Lösungen her.

Auf dem Markt verfügbare Software sollte nur ausgewählt werden, wenn es sich um anforderungsgerechte und praxiserprobte Kommunal-Software handelt, die in die DV-Infrastruktur des Kreises passt.


Automationsziel

Das Gesundheitsamt hatte die Zielsetzung des Automationsvorhabens "Gesundheitswesen" klar definiert und die fachlichen Anforderungen an die gewünschte DV-Lösung (in Form eines Anforderungskataloges) festgelegt.

Die Mindestanforderungen an die gesuchte DV-Lösung lassen sich grob wie folgt skizzieren:

    • Aufbau vergleichbarer Daten durch Zusammenführen der Datenbestände aller fünf Dienststellen zu einem zentralen Datenbestand,
    • Aufbau einer zentralen Personendatei (Zentralkartei), auf die jederzeit von allen Arbeitsplätzen unmittelbar zugegriffen werden kann,
    • weitestgehende Automatisierung der Sachbearbeitung in den Bereichen Amtsärztlicher Dienst, Meldepflichtige Krankheiten und Schulärztlicher Dienst,
    • Unterstützung der Verwaltung insbes. im Bereich der Auswertungen/Statistiken und der Erhebung von Daten für das Controlling,
    • Anbindung an ein Standardtextverarbeitungssystem (MS Word),
    • Anbindung an das Kassenwesen des Kreises (Sollstellung Gebühren).

Von den Mindestanforderungen wurden der Aufbau eines zentralen Datenbestandes und die Anbindung an ein Standardtextverarbeitungssystem zu Ausschlusskriterien deklariert.


Auswahlentscheidung

Nach dem Ergebnis des Abschlusstests unter Abwägung der Verfahrensleistungen (anforderungsgerecht, leicht bedienbar, WORD- und Excel-Anbindung, Auswertesystem, Anbindung an das Kassenwesen ) und der Verfahrenskosten entschied sich das Gesundheitsamt für das Programmpaket der Fa. Computer Zentrum Binder & Karl GmbH, Strausberg, das ISGA-Verfahren.

Technik

Herausforderung für den Einsatz von ISGA war die Anbindung von fünf Dienststellen an den zentralen Server in Steinfurt.

Aus Kostengründen gibt es zu den Außenstellen im WAN keine Standleitungen, es musste auf die bestehenden ISDN-Wählleitungen (64 Kbit/s) aufgesetzt werden. In den vorangegangenen Tests traten hier erhebliche Performanceverluste auf, die aber durch den dann vorgenommenen Einsatz von Citrix MetaFrame auf ein ertragbares Maß zu beheben waren. Im Verlauf des Praxiseinsatzes hat sich gezeigt, dass in diesen Fällen in Abhängigkeit von der Anzahl der angeschlossenen Nutzer eine Erhöhung der Leitungskapazität erforderlich ist.

Der Kreis Steinfurt ist in dem Bereich Citrix Vorreiter aller ISGA-Anwender.


Verfahrenseinsatz

Im Dezember 2000 wurde vom Projektleiter der Fa. Binder und Karl, Herrn Dr. Opitz, die sogenannte Urknall-Version von ISGA dem Amt10/3 (Datenverarbeitung) übergeben, die problemlos auf dem Citrix-Server installiert wurde(Windows-Terminal-Server in Verbindung mit Citrix MetaFrame).

Danach erfolgte die Einweisung der ISGA-Systemverwalter in die Security und die Anbindung von Word an ISGA.

Vorteil des ISGA-Verfahrens ist, dass Word-Dokumente für alle Verfahrensbereiche vom Anwender jederzeit selbst erstellt oder geändert werden können.

Bis März 2001 wurden alle 48 Arbeitsplätze mit APC und Druckern ausgestattet.

Zwischenzeitlich wurden in ISGA mit Word-Verbindung die erforderlichen Dokumente erstellt, sodass nach Schulung der Gesundheitsamtsmitarbeiter/innen Mitte März 2001 der Produktionseinsatz in folgenden Bereichen aufgenommen wurde.

    • Amtsärztlicher Dienst
    • Meldepflichtige Krankheiten
    • Verwaltung.

Nach erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Fa. Binder & Karl wurde im Juli 2001 für die Sollstellung der Gebühren die Kassenschnittstelle implementiert und in der Produktion eingesetzt.

Zur Zeit laufen im Gesundheitsamt die Planungen für den Einsatz des Bereiches "Jugendärztlicher Dienst".


Rationalisierungseffekt

Der Technikeinsatz zielte neben Verwaltungsrationalisierung vor allem auf Verbesserung der Verwaltungsqualität, Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und auf mehr Bürgerservice.

Dieses ist mit dem Einsatz des ISGA-Verfahrens nach den eingehenden Rückmeldungen gelungen.



Rüdiger Metzner
Der Autor ist Organisationsprogrammierer beim Kreis Steinfurt

ruediger.metzner@kreis-steinfurt.de